Der Posaunenchor Großenkneten

 

Von Dirk Faß

Wenn im November 2016  der Posaunenchor Großenkneten sein 140-jähriges Bestehen feiert, kann er mit großem Stolz von sich sagen: Wir sind der erste Posaunenchor weit hinaus über die Grenzen des Oldenburger Landes.

 

Für  Großenkneten zählt der Posaunenchor schon zu einer kirchlich festen Einrichtung. Bei besonderen kirchlichen Feiertagen, oder auch bei vielen anderen Anlässen, sind die Klänge dieses Chores zu hören. Darüber hinaus haben die Bläser oft bei größeren Posaunenfesten im Oldenburger Land und weit über die Grenzen hinaus mitgewirkt.

 

Im Jahre 1876 wurde der Posaunenchor Großenkneten von dem Landwirt Friedrich Oltmann in Hagel und einigen Gemeindemitgliedern unter Anleitung einiger Missionsschüler aus Hermannsburg nach sehr strengen christlichen Grundsätzen gegründet. Es war seinerzeit der allerbeste Posaunenchor im ganzen Oldenburger Land.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Tätigkeit des Chores nur von vier Männern ausgeübt.

Friedrich Behrens berichtete über die Chronik des Chores im Gemeindebrief der Ev. Luth. Kirchengemeinde Großenkneten 1986 folgendes:

Die ersten Instrumente wurden von der Kirche angeschafft. Es waren Tuba, Posaunen, Tenorhörner und Flügelhörner. Trompeten galten nach Posaunenpfarrer Kuhlo als unpassend! Seine Worte: „Flügelhörner sind die Nachtigallen, Trompeten die Spatzen“ war lange Bläserevangelium.

Friedrich Behrens kaufte seine erste Trompete für 30 Reichsmark von Heini Abel ab, der darauf bisher Tanzmusik spielte. In der Anfangszeit wurden die Bläser, wie bereits erwähnt, unter der Anleitung einiger Missionsschüler aus Hermannsburg ausgebildet. Regelmäßige Übungsstunden gab es nicht, dazu fand keiner unter der Woche Zeit. Hin und wieder, wenn der Diakon Becker aus Oldenburg oder Diakon Schröder aus Hamburg kamen, wurde an Sonntagen den ganzen Tag geübt. Die Volkslieder wurden aus dem „Liederhort“ und die Choräle aus den „Kuhlo – Büchern 1, 2 oder 3“ geblasen. Dieses ging nicht im Wechsel oder zugleich mit der Orgel, da die Noten der Bläser nicht mit denen der Orgel übereinstimmten.

Die Wege zu den Übungsstunden oder Auftritten waren sehr beschwerlich, denn gut ausgebaute Straßen gab es ja noch nicht. Selten hatte einer ein Fahrrad. Man war beseelt von einem Idealismus und einer Freude an der Sache und das machte es wohl leichter, manchen unpassierbaren Weg bei Wind und Wetter zu gehen. Karl Kempermann trug seine mächtige Tuba von Sage zu Fuß nach Großenkneten, jeden Feiertag.

Lange Zeit bestand der Posaunenchor nur aus Angehörigen der Familie Behrens. Erst wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg kam Karl Loseke aus Bissel dazu. Frauen waren bis dahin als Bläserinnen unbekannt. Die erste Bläserin, der ich begegnete, war eine Gemeindeschwester aus Wildeshausen.

In dieser Zeit wurden weitere Posaunenchöre im Oldenburger Land gegründet. Es gab dann auch sich wiederholende Posaunenfeste und –treffen. Dort fuhr man gerne hin. Jedes Jahr wurde eines in Ihausen gefeiert. Mit dem Zug wurde nach Oldenburg gefahren, wo die Bläser aus Holle zustiegen und dann weiter bis Ocholt. Hier wurden die beiden Chöre mit gefederten Ackerwagen, davor zwei Russenpferde, abgeholt. Überall unterwegs wurde schon geblasen. Der Gründer des Chores aus Holle war Pastor Kreye, da er sonntags predigen mußte, konnte er nicht immer dabei sein.

Streng waren die Statuten: Es durften die Instrumente nur zum Lobe Gottes geblasen werden, das aber unentwegt. Aber was mußten die frommen Ohren der biederen Großenkneter nun auf einmal von dem Gefährt der Holler vernehmen? "Lila ist Mode, Lila ist modern! Lilane Strümpfe tragen die Herrn!“ --??—Ein Straßenlied? – Oh, in aller Fröhlichkeit, schließlich war der Pastor ja nicht dabei. Aber wo blieben da die Statuten? – Oh! Aber um ehrlich zu sein, die jüngeren Großenkneter hätten gerne ganz lustig mitgespielt, aber das strenge Auge der Statutenwächter ließ solche Gedanken gar nicht zu. Die Instrumente waren schließlich für heilige Zwecke und nicht zum Blasen von Straßenliedern, das Wort Schlager war noch unbekannt.

Aber auch der Großenkneter Chor mußte sich eines Tages in Oldenburg belehren lassen. Der ganze Bahnhof war voll jubelnder Menschen. Diese sahen nun die blanken Instrumente der Kneter, die gerade von einem Treffen aus Bremen kamen, und baten die Bläser, hier im Bahnhof einmal das Deutschlandlied zu blasen. Es wurde angestimmt, aber ein Eisenbahner verbot das Weiterspielen als Ordnungswidrigkeit. Warum blieb rätselhaft.

Ein anderes Mal geriet man in folgenden Konflikt in der Sache. Fröhlich wurden „Brüder seht die Bundesfahne“ geblasen. Plötzlich ertönte aus rauhen Kehlen nach der gleichen Melodie der Text eines Fußballer Nationalliedes. Eine bedeutende Fußballmannschaft, die gerade ein Spiel in Bremen ausgetragen hatte - deren Fans hatten nämlich ihr Vereinslied in genau dieser Melodie verfasst -  glaubten, man bliese ihnen zu Ehre! Oh, oh, die Statuten! – Ein bißchen Humor mußte man da schon haben.

 

Am 26. März 1990 verstarb Friedrich Behrens, der über 65 Jahre im Posaunenchor der Kirchengemeinden Ahlhorn – Großenkneten tätig war, lange Jahre auch als ihr Leiter. 1986  erhielt Behrens für seine Verdienste die „Kuhlo – Gedenkmedaille“.

  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken

© 2011 Ev.-luth.Kirchengemeinde Großenkneten Markt 2-  26197 Großenkneten Tel 04435 5633 Impressum